Ein bis zwei Nummern kleiner bitte!

Die lieben Freundinnen, hach, so sehr sie uns auch ans Herz gewachsen sind, manchmal nerven sie einfach!

Wir sind ja jetzt alle schon ein bisschen rundlicher geworden und quälen uns dazu mit dem Verlust der Jugend herum.

Dies führt zu Komplexen! Wir finden uns in der Realität nicht mehr zurecht!

Das ist wohl der Grund für eine Art Selbstkasteiung, die eigentlich ansonsten mit gesundem Menschenverstand zu bewältigen wäre.

Gut, wir haben zugelegt, meistens um eine Kleidergröße, manchmal auch um zwei.

Jetzt gehen wir also mit unserer Freundin Kleidung einkaufen. Früher bewegte sie sich ungeniert vor der Umkleidekabine, vor den Spiegeln und vor uns und wir wägten gemeinsam ab, ob das eine oder andere Kleidungsstück zu ihr passt oder nicht. Heute bleibt unsere Freundin in der Umkleidekabine und stößt nach einigen Minuten einen Schrei aus. Wenn wir dann zur Hilfe eilen, um sie vor irgendeiner Art Monster zu retten, denn das muss auch in der Kabine stecken, kommen wir nicht hinein!

Der Vorhang wird zugekrallt und wir werden bedroht, sollten wir uns erdreisten die Kabine zu betreten.

Auf die Frage, was denn los sei, wird uns ein : „ich bin zu dick, ich kann das nicht mehr tragen, ich sehe einfach schrecklich aus“, entgehen geschleudert.

Nach fünf Minuten kommt unsere Freundin komplett angezogen heraus. Sie trägt zu ihrer versteinerten Miene und dem verbitterten Mund auch schon wieder ihren Mantel, Schal und Handschuhe. Auf dem Arm hält sie angeekelt ein Bündel Kleider. Sie ist fast in Tränen aufgelöst und schüttelt resignierend den Kopf. Es hat keinen Sinn mehr, das Leben ist zu Ende!

Wir schauen betreten zu Boden, versuchen sie aufzumuntern, erwähnen, dass wir sie in dem Kleid noch gar nicht gesehen hätten, dass es ihr sicherlich gut stünde.

Es ist hoffnungslos, sie geht, ohne uns eines weiteren Wortes zu würdigen, vorbei, aus dem Laden und hinterlässt eine desaströse Leere.

Einige Tage später treffen wir sie zufällig wieder und sehen sie mit einem neuen Kleidungsstück. Leider hat es immer die gleiche Größe, nämlich eine Übergröße! Ob es sich um eine Strickjacke, ein Longshirt oder eine Tunika handelt, es ist augenscheinlich zwei Nummern zu groß! Das sieht unsere Freundin aber nicht ein. Sie trägt mindestens L oder auch XL, gerne aber auch XXL. Etwas anderes geht einfach gar nicht mehr. Man hat den Eindruck, dass sie weiterhin in der Umkleidekabine steht und den Vorhang derselben zu ihrem Kleidungsstück gemacht hat.

Meistens lege ich dann Hand an, stecke die an jeder Seite überflüssigen zehn Zentimeter ab und versuche ihr klar zu machen, dass das sackartige Gebilde, was Farbe und Muster angeht, eigentlich sehr schön, aber leider zu weit sei.

An dieser Stelle bekomme ich selten Recht. Meine Freundin ist überzeugt, dass ihre Kurven nur noch eine Zumutung für andere darstellen müssten  und sie jetzt einfach nur noch diese Größen tragen könnte!

Anita Ekberg ist dieser Tage gestorben und war der Inbegriff von Weiblichkeit. Hätte sie oben auf dem Foto einen Vorhang in XXL angehabt, wären ihre Reize wohl nie gesehen worden!

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