Umschmeichle mich!

Gerne lese ich immer wieder mal die überaus hilfreiche Expertenseite für die modebewusste Frau und ihre Figurprobleme.

Darin beschrieben die effektivsten Lösungen zur perfekten Hülle für die proportional als unzufrieden anzusehenden Körperabschnitte. Hier sind insbesondere Brust, Bauch, Bein, Po und Wade hervorzuheben. Für jeden Abschnitt des unvollkommenen Körperteils wird ein besonderer Zuschnitt, ein Farbton (gerne auch kein Farbton), Muster oder Camouflage des Bekleidungsstückes empfohlen.

Jede Frau kennt natürlich dieses Thema. Auch wenn man vorher noch über die eine oder andere Stelle im Spiegel hinwegsehen konnte, was man wohl Selbstbewußtsein oder Selbsttäuschung nennen könnte, tauchen mit jeder neuen Saison die sogenannten hilfreichen Tipps auf. Und das manchmal mehr als viermal im Jahr.

Da wird man doch dann wirklich mit der Nase drauf gestoßen, was man zu tun hat! Ein Beispiel. Also, bei der A-Figur ist die untere Körperhälfte deutlich kräftiger als die obere. Dieser Typus wird auch gerne Birnenform genannt. Das kann dazu führen, dass man sein Leben lang keine Birnen mag, da diese einen sofort an die unvollkommene eigene Körperbirne erinnern. Denn leider wird in jedem Vorwort der Experten deutlich gemacht, dass es durchaus okay ist diesem Typus anzugehören. Aber! Trotz des ungeheuren hohen Frauenanteils, der diese Figur teilt und trotz der wunderschön anzusehenden Skulpturen in der Antike, ist jedoch leider der Sanduhrtypus der schönere.

Da sind die Hinweise durchaus sinnvoll mit welchen Regeln man der Misere entkommen kann. Taillierte Kleider, die aber nicht zu eingeschnürt wirken dürfen, auffällige Schmuckelemente für den Hals, Farben und Muster nur am Oberkörper! Unten bitte unauffällig bleiben mit matten Stoffen! Auf keinen Fall die dicken Oberschenkel betonen! Ach, und die Übergange zwischen Schuhen und Strumpfhose sollten möglichst nicht sichtbar sein. Also, gleichen Farbton wählen.

Ja, so macht Mode Spaß! Und wer das nicht befolgt, ist einfach selbst daran schuld! Man kann schon das Beste aus seinem Typ machen! Die haben dann halt geloost die Beratungssresistenten, die ihre Körperteile mutwillig falsch betonen. Da erkennt man dann einfach sofort die Birne!

Es ist doch auch von Vorteil beim Einkaufen gleich zu wissen, ob man dem A, H, O, X oder Y- Typ angehört. Eigentlich müssten die Kleiderständer nur nach nach diesem Schema einsortiert werden. Oben als Abschreckung die Hinweis- und Verbotsschilder: Halt! Mit Reiterhosenspeck als A-Typ darfst du auf keinen Fall enge Röhrenjeans anziehen. Finger weg von diesen Hosen! Du gehörst nach drüben zu den Marlenehosen! Hohe Taille, breiter Beinzuschnitt!

Du hast zuviel Busen X-Typ! Finger weg von zu tiefen Ausschnitten, die du gleichzeitig mit Miniröcken kombinierst. Du siehst aus wie ein Pin-up-Girl!

Ha! Der Sanduhrentyp darf also auch nicht alles tragen. Das nenne ich nun wirklich Gerechtigkeit. Ja dann! Wer wird sich denn diesen wohlgemeinten Ratschlägen verschließen wollen?

Hinweis von Bella: Dieses Bildnis stellt Diane de Poitiers, eine sehr berühmten Kurtisane als Göttin der Jagd dar. Diese war nicht nur älter als ihr Liebhaber, der König Henri II. von Frankreich, sondern hatte anscheinend auch keine Sanduhrfigur.

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