Geregelte Süssigkeiten

Süßigkeiten, ein Zauberwort um sofort meine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Berge von Süßigkeiten noch viel besser. Ich mag sie alle. Die Lakritze. Den Mausespeck. Die kleinen roten Erdbeeren. Die sauren Schnüre. Die rosa Lutscher. Das Lebkuchenherz mit viel Zuckerguss obendrauf. Die Bonbons mit Füllung. Die Caramels. Mir ist keine Torte zu blau eingefärbt, kein Kuchenstück zu süß. Obstkuchen finde ich nett, kommt aber nicht an die interessanteren cremigen Varianten heran. Ich mag gerne Löffelbiskuits, Marmorkuchen, Käsesahne und Buttercremtorte, Geschmacksrichtung egal.

Durchaus standhaft bleiben kann ich bei Gummibärchen, besonders die aus reinem Fruchtsaft, Giottos und Schokolade. Kann ich vorbei gehen oder anderen anbieten.

Ich vermute ich habe ein Defizit, was ich versuche mit diesen Süßigkeiten auszugleichen. Aber was soll das sein, wenn man bei schönem Wetter gutgelaunt durch eine schöne Stadt zieht und magisch angezogen wird von den Auslagen diverser Cafés und sich nichts Schöneres vorstellen kann, als all die Leckereien zu probieren.

Gottseidank ist man nach einer halben Tüte ja schon gesättigt und der noch reingequälte Rest verursacht eine leichte Grundübelkeit. Meistens kaufe ich auch mehrere kleine Tüten verschiedenen Inhalts und stelle mir vor, sie hübsch auf einem Teller zu drapieren. Ist ja die Gelegenheit für einen fiktiven Besuch schon mal was auf Vorrat einzukaufen.

Es gibt Frauen, die können auf all das verzichten. Ich stelle dann immer so die Frage nach Mausespeck und bemerke gleich, dass sie angewidert das Gesicht verziehen. Mir ist das ein Rätsel. Irgendwie muss deren Kindheit anders verlaufen sein oder sie haben keine Defizite oder es gibt eine Beschwörungsformel, die ich nicht kenne.

Schon als kleines Mädchen fand ich die emanzipierte Pippi Langstrumpf wirklich toll. Aber noch viel schöner fand ich die Beschreibung der Bonbonsläden, wo sie tütenweise alles mit ihren Goldstücken einkaufen konnte. Also doch die Kindheit. Die anderen haben andere Bücher gelesen, wo Kopfsalat und Gerstensmoothie quasi schon in der Geschichte eingebunden waren.

Ich bin jetzt natürlich so raffiniert, dass ich keine Abhängigkeiten schaffe. Also diesen Schrank, den viele Familien hatten um hin und wieder Nachwerk zur Verfügung zu haben, den habe ich gar nicht erst angelegt.

Meine Kinder sind durchwegs mit gesundem Obst und geregelten Süßigkeiten groß geworden. Ich habe immer diszipliniert darauf geachtet, bloß kein falsches Vorbild abzugeben und diese meine Sucht weiterzuvererben.

Ab und zu haben sie sich schon gewundert, wenn ich mit diesen oben erwähnten Tüten ankam. Grüne Krokodile mit Veilchengeschmack und seltsame Bonbonsfüllungen haben sie irgendwie daran gehindert sofort zuzugreifen. Da hatte ich dann Glück und musste alles alleine aufessen und der Besuch hatte sich auch verspätet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.