Was ist eigentlich… Haute Couture?

Mode als nicht bezahlbarer Luxus “für Wenige”, das ist unsere Vorstellung von Haute Couture. Allerdings wird “uns Vielen” inzwischen ein Zugang zu dieser “hohen Schneidekunst” gewährt. Jedes Jahr finden in Paris zwei Modeschauen statt, bei der die bekannten Modehäuser  wie Christian Dior, Chanel, Jean Paul Gaultier, Valentino oder Elie Saab ihre Haute Couture präsentieren. So kann man die Catwalks über die eingestellten Videos exklusiv mit- oder nachschauen.

Einst nur für Mitglieder aus Königshäusern im 19. Jahrhundert in Paris konzipiert, wurden die Kleidungsstücke mit höchster handwerklicher Schneidekunst erzeugt. Daraus entstand ein Verband, der als weltweite Vertretung der französischen Haute Couture operiert. Das Chambre Syndicale de la Couture Parisienne eröffnete nicht nur eine  Modeschule, die Ecole de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, sondern gab auch die Regeln vor, die jedes Jahr aufs Neue befolgt werden müssen.

Um diese Vollmitgliedschaft zu bekommen sind 35 verschiedene Unikate anzufertigen. Das Maß-Atelier muss mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigen, die diese aufwendig gearbeiteten Kleider und höchst wertvollen Roben in feinster Handarbeit mit hochwertige Stoffen und exquisitem Design entstehen lassen.

Anfang der Siebziger Jahre veränderte sich die Modelandschaft stark. Die Haute-Couture erhielt mit der etwas preiswerteren Prêt-à-porter-Mode Konkurrenz, der sich insbesondere Designer wie Yves Saint Laurent verschrieben und neue Käuferschichten und Designerläden hervorbrachten.

Haute Couture ist inzwischen nicht nur mehr Abendmode. Wie wir uns das schon gedacht haben, können ” die Wenigen” sich diese aufwendig verarbeiteten Kleider den ganzen Tag über leisten. Was eine besondere Vielfalt in Design und Materialien hervorgebracht hat. Dazu kommt der “red carpet” der Stars, die heute wie früher Groupies der Haute Couture sind und aufgrund ihrer Persönlichkeiten auch einen starken Austausch zwischen Designer und Trägerin hervorrufen. Man denke nur an Jean-Paul Gautier und Madonna, Karl Lagerfeld und Conchita Wurst. Also Haute Couture ist heutzutage durchaus auch crazy.

Ja, und was bringt uns das alles? Wir sollten da nicht so streng mit uns sein und uns einfach inspirieren lassen von dem ausgeklügelten Design und den Materialien und Schnitten.

Auch wir haben die Gelegenheiten manchmal etwas mehr Haute Couture zu tragen. Sollten wir eine Abendgarderobe benötigen, ist es durchaus hilfreich sich die vielen Schnitte, Längen und Ausführungen in den einzelnen Shows, je nach Gusto Dior, Chanel oder moderner zum Beispiel Martin Margiela zu betrachten. Hier ein Tipp. Es kann sein, dass man sich diese Shows mehrmals hintereinander ansehen muss, um sich zu gewöhnen und Gefallen daran zu finden. Dann bitte auf keinen Fall heranwachsende Töchter oder den Partner fragen, ob er sich dieses oder jenes vorstellen kann. Meist sind die blockiert. Die Gründe sind mannigfaltig, brauchen wir hier nicht zu erläutern. Ja, und dann ab zu H&M. Was man da inzwischen an schmückendem Beiwerk findet, lässt sich prima einsetzen. Wer Zeit hat kann sich selbstverständlich auch in den notwendigen 1000 Stunden Kopien der Entwürfe anfertigen. Das klappt von daher ganz gut, da die Modeschauen ja immer zeitversetzt zur eigentlichen Jahreszeit laufen. Da hat man also genügend  Puffer bis zum Event.

by bella Text aus 2014