Kapitel 12 -Gartenfreuden-

aus die drei Ks

Bella blickte vergnügt nach ihren Rosen. Endlich war die lange Regenzeit vorbei und man konnte sogar abends länger draußen bleiben. Sie hatte endlose Tage damit zugebracht Brigittes Dateien zu durchforsten. Einiges hatte durchaus Potential für den Mordfall.

Abgesehen von den Tonkrügen, deren Entzifferung auch noch vor ihr lag. Sie hatte ein paar davon Brigittes Schwester abgekauft. Lem hatte höhnisch gemeint, dass das wohl diesmal kein Picasso auf dem Dachboden werden würde, diese Kritzeleien, aber Bella fand sie ganz ansprechend und Vasen konnte man nie genug haben. Abgesehen von den kryptischen Symbolen. Sie seufzte.

LEM müsste noch effizienter eingesetzt werden. Von Lem war ja die nächste Zeit nichts zu erwarten. Sie hatte ausdrücklich darauf bestanden bis auf weiteres in Ruhe gelassen zu werden, sie würde sich dann schon wieder von alleine melden. Das könnte aber dauern!

Alles wegen dem bisschen Klettern. Klar war sie wenig erfreut über die Fülle der Unterlagen und wollte sich jetzt einfach mal wieder drücken.

Okay, Bella überschlug nochmals ihre Ergebnisse.

In der Jury hatte es wohl doch eine nicht ganz so freundliche Auseinandersetzung gegeben. Brigitte hatte sich ziemlich vehement eingesetzt. Sie hatte überall lebhaft Position bezogen, insbesondere was die Ausschreibung des Wettbewerbes anging. Sie war zwar zufällig ausgewählt worden, aber durch ihren Beruf für das Thema sehr versiert gewesen. Es ging um so Dinge wie Unterkleid ja oder nein, die Länge des Kleides und dann natürlich die Mantelfrage. Ah, sie hatte sogar Hosen vorgeschlagen. Warum nicht, Bella liebte Hosenanzüge. Das war aber abgelehnt worden. Dazu hatte sie sich viele Notizen gemacht und ein Briefentwurf war auch da. Und es gab eine Checkliste mit Smileys oder, ach wie süß, kleinen Teufelchen, wo sie anscheinend ihre Jurymitglieder bewertete. Die Frauen kamen ganz gut weg, aber dieser Theo eher nicht. Bella blätterte sein Profil durch. Wie üblich Doktortitel, 32 Jahre jung, mmh, nettes Foto!

Aber Lem hatte immer wieder betont, dass sie nicht davon ausging, dass dieser Wettbewerb etwas mit dem Mord zu tun hatte. War es wirklich Zeitverschwendung sich mit der Jury zu befassen?

Aber mit wem sollte sie das alles besprechen?

Ob LEM schon in der Lage war emotionale Zusammenhänge wie Neid oder Eifersucht zu begreifen?

Die Zeugnisse und Noten hatte Bella nur überflogen. Gut, dass sie sowas nie in ihrem Leben hatte machen müssen. Das war ja schrecklich, all diese Bewertungen, wie sollte man das wirklich objektiv machen können?

Diese Unterlagen könnte sie Lem schicken. Die kannte sich doch in sowas aus.

Aber die war bestimmt sauer, wenn so eine Datenüberflutung in ihrem Nirwana auf sie einschlug.

Besser, wenn wir das mal hintenanstellen.

Schüler, die ihre Lehrerin im Aachener Dom ermorden, das konnte Bella sich nicht vorstellen..

Die Eltern vielleicht, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Helikoptereltern sind sehr anstrengend. Bella hatte nie welche kennengelernt. Ihre Kinder waren ja schon groß und früher gab es das noch nicht.

Meine Güte, jetzt höre ich mich schon an wie meine eigene Mutter. Früher, damals! Die müssen aber trotzdem eine Plage sein. Alles wollen sie kontrollieren, alles ganz genau wissen und auf jeden Fall alles beeinflussen.

Nein, Bella entschied, dass sie sich nicht mit Eltern befassen wollte. Das wäre echt enttäuschend. Lieber was mit Kirche, auch der Jury oder am allerliebsten was mit Mode.

Ach, Willem-Jan! Bella vermisste die intensive Beschäftigung mit diesem Mord und der anspruchsvollen Umweltproblematik.

Aber, sagte sie streng zu sich, du wolltest das unbedingt, du hast Lem dazu überredet.

Kein Wunder, dass sie sich so zurückzieht.

Dann nehme ich mir noch mal dieses Teufelchen vor. Attraktiv genug war er ja, jung, coole schwarze Klamotten. Bella trug auch gerne schwarz. Was hatte so einer mit der katholischen Kirche am Hut?


Chapter 1- On the bright side of life

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