Kapitel 2 -Barock eben-

aus Die drei Ks


Bella

saß mitten unter den netten ü50s an einem dieser beliebten Frauengeburtstage, ganz ohne Männer und überflüssige Kinder. Die waren einfach endlich schön groß und konnten nicht mehr stören.

Das spannende Thema war Brüste. Deren Vergrößerungen waren jedoch nicht mehr so das Thema. Eher Verkleinerungen, da Frau durch einseitige Hormonüberschüsse ständig noch größere BHs kaufen musste und langsam entnervt war.

Also ich hatte mal 85 A inzwischen bin ich bei 95 C angekommen, erzählte eine der Damen.

Aha.

Alle anderen schlürften den Eierlikör, der seltsamerweise neben Hugo wieder in Mode gekommen war, genüßlich weiter und nickten.

Ständig neue Dessous einkaufen müssen, geht doch ganz schön ins Geld. Wieder Nicken.

Ohne wirklich was davon zu haben, man kann die ja nicht mehr zeigen. Seufzen.

Meine Güte, was hätte man damals darum gegeben in diesen tollen Triangeln der Häkelbikinis diese Fülle präsentieren zu können. Wieder Seufzen.

Mit straffer Haut und, oder oben ohne. Einige weinten jetzt fast.

Habt ihr damals auch den Bleistifttest gemacht? Machen müssen, man kam nicht drum herum. Na ja. Selbstverständlich bestanden!

Wir waren doch die Nachfolgegeneration derer, die ihren BH noch verbrannt haben.

Wir haben damals den natürlichen Umgang mit dem weiblichen Körper erst erfunden.

Vorbei. Alles vorbei. Prost!

Frauen über 50, die ihre Figuren präsentieren, werden als öffentliches Ärgernis wahrgenommen. Ähnlich wie Stillen in der Öffentlichkeit. Das ist heute auch wieder umstritten!

Aha.

Aber Fülle in unseren Dekolletés ist doch eigentlich gar nicht so schlecht.

Barock halt, meinte Bella. Wie so eine schöne Figur aus den Gemälden oder eine alte Barockfassade, mit ganz viel Gold und Ausschmückungen und Voluten, Gesims und Gebälk. Die wird doch heute auch noch gerne betrachtet, trotz ihres Alters.

Das geht doch nicht, nicht bei uns, nicht erwünscht.

Und es wäre so schön.

Der Busen ist jetzt wirklich schon zu alt. Höchstens mal mit Dirndl. Einige lachten. Dabei erinnerten sie sich wie so ein - nun - älterer Politiker vor ein paar Jahren bei einer jungen Frau glaubte, seine Fantasien dazu unbekümmert äußern zu dürfen.

Ich werde inzwischen, wenn überhaupt, nur noch von sehr viel älteren Männern ziemlich unverhohlen betrachtet. Als ob die immer noch ein Anrecht auf 15 Jahre Altersunterschied hätten.

Eine Unverschämtheit ist das!

Da hat sich seit den 50zigern noch nicht so viel geändert .

Damals bekam eine Lieselotte Pulver doch auch immer Partner zugeführt, die mindestens 20-30 Jahre älter waren.

Gut, aber Bella wollte unbedingt an ihrem neuen Thema Barock festhalten.




Warum nicht wieder Figura zeigen mit Fassade und ganz viel Gold.

Nööö, das geht hier aber gar nicht, du immer mit deinem Italien.

Wir sind hier zu Schlichtheit und Sparsamkeit erzogen worden.

Deshalb darf man sich hier auch nicht in den Mittelpunkt stellen.

Nicht zu laut, nicht zu auffällig, nicht zu bunt, auf keinen Fall Lippenstift und Wimperntusche gleichzeitig.

Bescheidenheit ist eine unserer höchsten Tugenden. So werden wir wenigstens geachtet, wenn auch übersehen.

Ihr seid mir zu evangelisch, stöhnte Bella.

Immer soll alles angemessen sein.

Ob ihr wollt oder nicht. Barocke Landschaften halten wieder Einzug in der Mode.

Wir sind aber keine Modepüppchen mehr!

Auch wohl nie gewesen, dachte Bella bei sich und kam wie immer mit ihrer Argumentation keinen Schritt weiter.




Bella indossa:

 

San Carlo alle Quattro Fontane, Roma




Kapitel 1 -Mordopfer gesucht-

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