Kapitel 26 – Endlich auf der Insel

Bella: Also sie hat den Bus genommen?

Ja, so stand das in der Zeitung. Sie kam morgens in Paris an. Hat ca um 13:00 Uhr im Hotel eingecheckt und ist dann nach dem Treffen mit Lucy, die noch was an dem Prototyp ändern lassen musste, mit dem Zug so gegen 16:30 Uhr wieder zurückgefahren. Sie hat Jan getötet, geschickterweise vieldeutend durch die Plastiktüte und hat dann, ich glaub es nicht, so einen Flixbus zurück nach Paris genommen.

Aber warum das alles?

Tja:
Alle wussten, dass sie am nächsten Morgen nach Paris wollte.
Sie hatte abends mit Jan gegessen.
Da hatte er ihr zum wiederholten Male klargemacht, dass seine Karriere im Vordergrund stand und er nicht mit ihr ein Label gründen wollte, da er nicht davon ausging, dass sie eine gemeinsame Zukunft hätten.

Bella: Er hatte in die Zukunft geschaut und daran geglaubt, dass es Sinn macht die Dinge zu verändern. Vielleicht ging das besser ohne sie.


Lem: Du bist so naiv!


Bella: Warum hat Antje nicht ein eigenes Label gegründet?

 

Lem: Weil, die Modebranche einen männlichen Knackarsch sehr viel interessanter findet als eine Alte, die zwar gut designen kann, sich aber nicht so gut verkaufen lässt.

Bella: Aber es gibt so viele große Designerinnen, sieh dir Dior an mit Maria Grazia Chiuri und Viktoria Beckham und die göttliche Phoebe Philo von Celine....,

Lem: Die gerade durch den ebenso göttlichen Heli Slimane ersetzt wurde.

Bella: Sie hatte aber selbst gekündigt.

Lem: Alles Quatsch, unser Stardesignernachwuchs hat nur an sich geglaubt, er fand es toll soviel Aufmerksamkeit zu bekommen! Er brauchte sie nicht mehr.

Bella: Also ist Antje eine Art Hera, eine Rachegöttin, die sich nicht alles hat gefallen lassen wollen.

 


Lem: Na, wenn das dein Leid lindert. Er hat sie weggeworfen wie ein alte Plastiktragetasche.



Dabei wollte er doch selber so viel recyceln.
Und sie sah doch noch gut aus, entrüstete sich Bella. Die hätte noch kein Botox gebraucht. Der war doch von ihr abhängig. Das hätten die bei MM ganz schnell gemerkt, dass der eigentlich eine Niete war.
Und ich habe an ihn geglaubt, seufzte Bella. Er erschien mir so: heldenhaft. Ein junger Hermes oder Herkules, ein Halbgott, der sich in der Modewelt für das Gute einsetzt.

Lem: Bella....

Bella: Ach, ja. Ich bin einfach enttäuscht von den beiden.

Lem: Bei allen deinen ....Verlusten, haben wir aber doch einen guten Schnitt gemacht.
Bella: Ja, der Picasso hat ja doch einiges gebracht. Ich hätte nie gedacht, dass wir so ungestraft die Entwürfe verkaufen können.
Lem: Das ist halt Business. Du wirst sehen seine Kollektionen werden demnächst in diversen Variationen auftauchen.

Bella: Ja, und diese herrliche Insel hier.

Lem: Mmmh.

Bella: Das hätte ich ja nicht gedacht, dass du dich mal gerne an den Strand legst.

Lem: Also Mauritius ist ja wohl kein Problem, besonders in diesem blöden März mit dem vielen Schnee.

Bella: Den Fall haben wir ganz gut gelöst.

Lem: Und so richtig gefährlich wurde es doch auch nicht.
Bella: Na ja, Antje ist schon leidenschaftlich, da hatten wir Glück, dass wir zu zweit waren.
Lem: Und wir sind umsichtig und vorsichtig und ...
Bella: ... sehr erfahren. Ich meine Frauen in unserem Alter können doch auf ganz viel Erlebtes zurückblicken und haben immer den richtigen Riecher.
Lem: Du fandest sie doch toll. Du hast sie doch gar nicht verdächtigt.
Bella: Nur weil ich sie so überzeugend fand, heißt das nicht, dass ich mit der Zeit nicht mißtrauisch geworden wäre.

Lem: Na ja, es hätte wohl noch etwas gedauert. Was machen wir eigentlich heute Abend?

Bella: Ist dir schon wieder langweilig am Strand?

Lem: Nee, einfach nur zu warm!

 




Kapitel 1- Auf der Sonnenliege-

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