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Ja, wie hüpfen Sie denn jetzt?

Eigentlich sollte dies ein Text über die neuste Bademode und eine Schneiderpuppe werden, die Bella ganz enthusiastisch erworben hatte, um ihre diversen über Jahrzehnte angesammelten Stoffe, endlich mal in traumhafte ready-to-wear Couture zu verwandeln.

Leider kam ein Tête-à-Tête mit einem ungefähr 40 Kilo schweren Malamute dazwischen, der unbedingt gegen Bellas Knie rennen musste. Was lernt Frau daraus? Begebe dich niemals auf das Fußballfeld, wo die Jungs (der Collie und seine Freunde) fangen spielen.

Ja, und jetzt? Diverse FreundInnen: „auch-schon-mal-diese-Knieverletzung-gehabt“, mit mehr oder weniger Knochenbrüchen und variierenden Bänderrissen hüpften bald auf einem Bein umher. Und keine Ahnung wie? Bella ist ja bekennender Fan aller Wonder Women, Captain Marvels oder auch Super Girls und fragt sich trotzdem, wie man ohne vorheriges Training diese Bizeps haben sollte, die jetzt notwendig sind, um sich vorwärts zu bringen. Der herzallerliebste Ehemann, der die allerleckersten Gerichte kocht und sich alle Mühe gibt, die Gattin auf Händen zu tragen, holte sich doch am ersten Tag ein Unliebsames: „Ich kann das so nicht!“, ab, als er vormachte, wie leicht und spielerisch ein Mann doch mit diesen Gehhilfen hüpfen konnte.

Und sofort sind wir wieder bei der Fragestellung Emanzipation und Sonstiges:

Muss Frau sich immer beweisen, dass sie, wie auch der Mann, schwere Bretter umhertragen, Motorräder reparieren und Herrenfahrräder mit dieser unmöglichen Querstange bewältigen muss oder darf sie voller Inbrunst schreien: Ich kann das nicht! Und ich will das auch nicht! Jetzt kann das durchaus ihrem Naturell entsprechen, dass sie lieber königinnengleich in einem Stuhl auf Rädern thront und sich erstmal, um einer fortschreitenden Traumatisierung zu entgehen, einen schicken Jogginganzug bestellt. Badeanzug geht ja gerade nicht mehr und sie sich ausnahmsweise, wirklich ausnahmsweise ein paar flache Schuhe bestellt, die aber mit hübschen Acrylringen ausgestattet sind, um davon abzulenken, dass die Absatzhöhe unter einem Zentimeter liegt.

Hüpfen hat ja bekanntlich etwas Kindliches, Lustiges, Verspieltes an sich, zumal wenn man an den Begriff Hüpfburg denkt. Aber muss Frau wirklich hüpfen? Eigentlich will Bella tanzen und sollte auch tanzen, um die Hüften zu überprüfen, die sich unmotiviert zur Ruhe gesetzt haben und einfach mal nur noch abwarten, was da sonst noch so kommt. Die sind inzwischen schon richtig faul geworden. Das arme linke Bein ist indessen beleidigt, weil es jetzt die gesamte Verantwortung übernehmen kann. Muss es jetzt unbedingt mit ü50 seinen Einstand geben und diese Zitterpartie ertragen. Falls es schon jemals alleine eingesetzt wurde, dann doch nur um elegant den Gleichgewichtsstand auszugleichen, aber dauerhaftes Geradestehen? Überhaupt wird lieber viel gegleitet. Spitze Ferse, Spitze Ferse, so kann sich Bella in kleinen ruckartigen Schrittfolgen von Stuhl zu Schrank zu Waschbecken vorwärts bewegen. Das Bett muss sie leider auslassen, da das zu niedrig ist und extrem zu weich. Immer wenn sie versucht, sich mit ihren inzwischen gestählten Oberarmen anzuheben, gibt die Matratze nach und wird kuschelig. Alle im Haus vorhandenen Kissen wurden inzwischen auf ihre Tauglichkeit bezüglich ihrer Unterleghöhe für mörderische Schienengestelle überprüft. Seltsamerweise hat sich das günstige Hundekissen dabei bisher ganz fabelhaft geschlagen.

Und was ist eigentlich mit dem Hund. Er war ja nicht wirklich der Übertäter und benimmt sich auch nicht schuldbewusst. Liegt er jetzt bei Frauchen, umsorgt sie und schmeichelt ihr mit seinem treuen Hundeblick? Nein, er findet Bella zur Zeit höchst uninteressant, da sie weder mit ihm spazieren gehen kann, noch Spielzeuge verstecken möchte. Das Fressen bekommt er sowieso von den anderen Mitbewohnern. Er schläft lieber bei dem Ehemann, der das Schlafzimmer gewechselt hat, um seine Nachtruhe wiederzufinden. Morgens begrüßt er das Frauchen auch nicht mehr, da sie sowieso nicht mit ihm Gassi geht. Sein freundliches entspannendes Seufzen, was so notwendig für die Genesung wäre, reduziert er offensichtlich. Ab und zu macht er einen Hüpfer auf den Frauenthron zu, was jedes Mal eine kreischenden Sirenenstimme auslöst: das gebrochene Bein möchte nicht einbezogen werden. Dann zieht er beleidigt ab und sucht sich einen kampferprobteren Sparring-Partner.

Fazit:

… der Hund ist illoyal, Tanzen auf Stöckelschuhen geht frühestens 2022 wieder, Frau sollte jeden Tag die notwendige Anzahl Liegestützen und Triceps Dips machen, weil das früher oder später auf jeden Fall auf sie zukommt. Gut, dass das Wetter bisher so schlecht war. Ostern sind sowieso alle Zuhause. Schreib einfach weiter an dem dritten Krimi!

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