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Rückwärts und auf Stöckelschuhen

… war der Titel eines Buches, welches ich so um 1991 geschenkt bekam.

Damals war ich mir nicht so sicher, was ich mit dem Geschenk anfangen sollte.

Außer lesen natürlich.

Ich hatte eine einjährige Tochter und trug gerne schöne Schuhe.

War ich damit schon dabei, den Anschluss an meine berufliche Zukunft zu verpassen? Hatte ich vergessen, mich mit Kind und High Heels richtig zu positionieren?

Nun, die Jahre vergingen, weitere Kinder und High Heels kamen dazu und beruflich ging es bergauf. Und jetzt kommt natürlich auch noch die Altersweisheit hinzu.

Nun gab es vor längerer Zeit einen Artikel im Arte Magazin, wo eine Journalistin bei Christian Louboutin ziemlich hartnäckig versuchte, Schuldgefühle hinsichtlich der von ihm designten High Heels hervorzurufen und das irgendwie mit der Emanzipation der Frau verknüpfte. Louboutin starrsinnig genug, argumentierte verzweifelt anhand von Tina Turner, die nachweißlich keine flachen Schuhe brauchte, um nicht als blöde Kuh dazustehen.

Da war er wieder dieser Vorwurf: Wenn eine Frau hohe Schuhe -Stöckelschuhe- trägt, ist sie nicht emanzipiert, da sie sich einer Männerfantasie unterwirft und unbequeme, unpraktische Schuhe zu tragen gewillt ist. Damit ist sie wohl auch ein bisschen dumm. Punkt!

Natürlich wissen wir nicht, ob Tina Turner, bis in ihre Fünfziger hinein, gezwungen wurde in goldenen Sandalen und mit Minirock zu singen, obwohl sie vielleicht lieber in Birkenstock Sandalen mit Eros Ramazotti auf der Bühne getanzt hätte.

Wie lange haben wir dagegen gekämpft, dass endlich die Blondinnenwitze ad acta gelegt wurden und Frauen mit blonden oder blondiertem Haar trotzdem als intellektuell oder auch intelligent gelten konnten. Wer diese Zeiten vergessen hat, darf sich einfach mal wieder an einem Edgar Wallace erfreuen. 

Aber wieso sind Frauen mit High Heels nicht gleichberechtigt in Sachen Intelligenz? Und hieße das nicht auch im Umkehrschluss, dass grundsätzlich alle Frauen, die flache Schuhe tragen emanzipierter und klüger sind als ihre sich in schwindelnde Höhen begebenen Artgenossinnen?

Ok, jetzt käme vielleicht das Argument, dass eine sündige Eva mit den rot lackierten Louboutins verführt und sich so in ihrem Job Vorteile verschaffen könnte und damit unfair handelt und zu verdammen sei. An dieser Stelle bekommt sie sogar ein paar Intelligenzpünktchen, da sie letztendlich doch klug gehandelt hat, indem sie ihre Reize einsetzte. Sie muss nachgedacht haben. Wollen wir uns das wirklich antun? Wir tugendhaften Damen?

Schade, es könnte doch einfach nur Spaß machen, schöne Schuhe zu tragen. Die können kleine Kunstwerke sein. Mit fantastischen Absätzen, leuchtenden Farben, Mustern, Verzierungen aus Federn, Fell (Kunstfell) oder sogar mit Plömmeln. Und dank einer inzwischen sehr verantwortungsvollen Kundschaft auch immer gerne nachhaltig. Und es darf sogar Spaß machen den eigenen Chef, wenn er denn dann auch schon wieder männlich ist, um, sagen wir mal, einen halben Kopf zu überragen. Das drückt subtil etwas aus und muss es auch. Nebenbei erwähnt, es gibt sie ja inzwischen auch: die hübschen bunten Sneakers. Die haben auch lockere fünf cm Höhe und werden damit in Deutschland natürlich zu den High Heels gezählt. Andererseits gab es in den letzten beiden Jahren auch immer mehr Sandalen, die von ihrer Bereifung her Autoscoutern gleichen. Da schau ich dann weg. Dazu können sich die anderen irgendwelche Intelligenz-Schemata ausdenken.

Aber so ist Mode eben. Sie versucht, sich dem zeitlichen Geschmack anzupassen oder auch mal ganz innovativ etwas Neues zu bringen. Im Übrigen habe ich gelesen, dass Übung sogar unsere „älteren Füße“ trainiert. Wir sollten also unbedingt auch mal höhere Schuhe tragen, damit unsere Muskeln nicht zu faul werden und dann auf den schönen Highlights, wie Hochzeiten oder Taufen, Birkenstock tragen müssen.

 

Eure Bella

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